Sozialpsychologie aktuell: Warum Menschen „tratschen“

Die deutsche Sprache kennt eine Reihe von Begriffen, mit denen die Freude, die manche Menschen daran empfinden, sich hinter dem Rücken anderer über diese zu unterhalten, beschrieben wird. Die Gerüchtsküche kocht, Tratschweiber sind unterwegs, Klatschmagazine sind prall mit Neuigkeiten zweifelhafter Authentizität gefüllt, fast nichts scheint so schön, wie das Weitergeben von Gerüchten bzw. das Produzieren von Gerüchten.

Aber warum klatschen, tratschen, „gossipen“ Menschen hinter dem Rücken anderer, und wie rechtfertigen Sie diese Tätigkeit vor sich und anderen? Diese Fragen haben Bianca Beersma und Gerben A. van Kleef zum Ausgangspunkt von drei Experimenten genommen, in denen sie die Bereitschaft zum Klatschen untersucht haben. Dabei hat sich wenig überraschend gezeigt, dass das Hauptmotiv, das hinter dem Klatschen steht, der Austausch von Informationen über andere ist. Gerechtfertigt wird dieser Austausch, insbesondere dann, wenn er normverletzendes Verhalten anderer zum Gegenstand hat (z.B. Hast Du schon gehört, was … gemacht hat?), immer mit Bezug auf eine soziale Gruppe, der sich die Klatschenden zugehörig fühlen und die sie für sich in Anspruch nehmen, anders formuliert: Der Schutz der sozialen Gruppe vor dem vermeintlich normverletzenden Verhalten derer, über die geklatscht wird, wird zur Rechtfertigung für das Verbreiten von Gerüchten genommen.

Beersma, Bianca & van Kleef, Gerben A. (2012) Why People Gossip: An Empirical Analysis of Social Motives, Antecedents, and Consequences. Journal of Applied Social Psychology 42(11): 2640-2670.

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